Die meisten Menschen sind eifersüchtig, weil sie den anderen Menschen “besitzen” wollen- Dabei ist Eifersucht moralisch und psychologisch anerkannt, denn sie gilt als Gradmesser der Liebe. Ist jemand nur gering oder gar nicht eifersüchtig, wird dies als Gleichgültigkeit ausgelegt. Jedoch ist die Gleichgültigkeit der Todfeind einer Partnerschaft.
Trotzdem ist Eifersucht für die Partnerschaft hinderlich, Gleichgültigkeit aber auch.
Jedoch sind Eifersucht und Gleichgültigkeit keine Gegensätze.
Eine Kundin sagte mir kürzlich: “Es gibt keinen Liebenden, der nicht eifersüchtig wäre”. Liebe und Eifersucht gehören einfach zusammen. So kennen wir es, so sind wir es gewohnt. Ist Eifersucht ein Gradmesser für die Liebe? Nein! Es gibt keine Liebe ohne Freiheit, in Loslösung, die Eifersucht nicht ins Spiel bringt.
Eifersucht führt in jeder Beziehung zu Problemen. Da man davon ausgeht, am anderen die “Exklusivrechte” zu besitzen, muss man diesen Besitz ja auch verteidigen, natürlich nicht nur gegen mögliche Rivalen, die einem den Besitz streitig machen wollen, sondern auch ganz allgemein. Dabei geht die Logik davon aus: Weil man ein Paar ist, muss man alles miteinander teilen, seien es nun die Gedanken, die Hobbys, die Pläne, die Ferienreise, seien es die Bekannten und Freude. Ich kenne Frauen, die ihren Liebsten fünf- bis zehnmal täglich bei der Arbeit anrufen und fragen: “Was machst du gerade”? Auf der Heimfahrt wird ebenfalls noch mit den Handy telefoniert. “Ich bin in zehn Minuten zu hause.”
E ist also jegliche Zeit, die der andere für sich und seine Aktivitäten aufwendet, kann die Eifersucht hochkriechen lassen. Diese krankhafte Eifersucht wird als Frustration erlebt, die verstimmt, schlecht gelaunt, depressiv machen kann, ja sogar aggressiv. Dies alles führt schnell zu Spannungen und zu Streitgesprächen.
Beispielsweise: “Warum kommst du eine Stunde später? Du hättest doch anrufen können, damit ich Bescheid weiss”. Wir hatten doch heute nichts Besonderes vor, und ich dachte, dass es dich nicht stört, wenn ich später komme. Ich habe nur mit einem Berufskollegen einen Kaffee getrunken.
“Vielleicht war es auch eine Kollegin”? Natürlich nicht. Nun sei doch nicht so eifersüchtig. Selbst wenn ich mit einer Kollegin reden würde, was wäre schon dabei?”
“Siehst du, jetzt gibst du es sogar zu, dass du auch mit einer Kollegin Kaffee trinken würdest. Daraus kann sich sehr schnell etwas entwickeln, das will ich nicht! So fängt es nämlich immer an. Ich sitze zu Hause und warte auf dich, während du mit einer Kollegin Kaffee trinkst.
Das nächste Mal komme ich nach Hause, wann es mir passt.
Diesen Dialog könnte man endlos weiterführen, – der Streit dabei ist natürlich unumgänglich.
Traurigerweise verlaufen in Millionen von Beziehungen die Gespräche über das Thema “Eifersucht” so ab. Je häufiger solche Situationen auftreten, umso aggressiver wird die Unterhaltung. Eifersucht ist eine schwerwiegende Krise, weil sie das Paar nicht verbindet, sondern trennt.
Deshalb finde ich es sehr wichtig in einer Partnerschaft, ein kleines Stückchen Freiheit für sich selber zu bewahren. Dies hat weder mit Gleichgültigkeit noch mit mangelnder Liebe zu tun. Dessen sollte man sich stets bewusst sein.
Denn Eifersucht hat nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Machtstreben. Bekommen wir dies nicht in den Griff, führt es genau dahin, was man eigentlich verhindert möchte – zum Bruch der Liebe.

